Donnerstag, Juli 15, 2010

Was mich grad bewegt...

Wir schreiben das Jahr 2010, das bereits über die Hälfte schon vergangen ist. Vor 10 Jahren habe ich mein Abitur gemacht, vor 10 Jahren habe ich meine Heimat verlassen, um zum Studium zu gehen. Als ich damals mit dem Studium begann meinten meine Großeltern: "na, ob wir wohl noch das Ende deines Studiums erleben...". Die Zeit verging viel schneller, als gedacht, meine Großeltern haben alles mit- und überlegt und es kam die nächste Herausforderung: das Referendariat in Frankfurt. Vor 2 Jahren um diese Zeit machte ich mir Gedanken, wie ich wohl meine Prüfungsstunde gestalten werde bzw. war auch noch mitten in die schriftliche Abschlussarbeit involviert.
Uns so verfliegt die Zeit...
So schnell verfliegt die Zeit, dass morgen vor 2 Wochen meine bereits ersehnten Ferien begonnen hatten. Auch wenn zum Ende des Jahres keiner mehr wirklich Kraft und Motivation hat, weder Schüler noch Lehrer, müssen auch diese Tage irgendwie gefüllt werden. Für denjenigen, der Vollzeitschulformen hat, ist der Rest sehr entspannt, für denjenigen mit Blockunterricht eher stressig, da bis zuletzt noch Klausuren geschrieben und korrigiert werden müssen; von Erholung und Entspannung keine Spur.
Es sind die ersten Ferien in denen ich das Gefühl habe, diese wirklich verdient zu haben. Die erste eigene Klasse zu haben, Klassenlehrerin zu sein, bedeutet nicht nur Verantwortung zu haben, Ansprechpartnerin zu sein, es sind vor allem die vielen kleinen "Sachverhalte" neben dem Unterricht, die einen sehr einspannen. Es gibt Konflikte, die gelöst werden müssen, es gibt Unmengen an bürokratischen Sachverhalten, die verschriftlicht, konferiert und abgeheftet werden müssen, geschweige denn vom Klassenbuch, dass hin und wieder einfach so verschwindet!
Vor 3 1/2 Jahren bin ich nach Frankfurt gegangen, eher unfreiwillig, wurde damals "zugewiesen", aber bereue es keineswegs. Damals war ich der Meinung, wenn ich in den Schulen von Frankfurt klar komme, dann werde ich es auch überall packen.
Warum hatte ich so sehr respekt vor Frankfurt? Ich weiß es heute nicht mehr. Ich gehe in den Unterricht und jeder Schüler und jede Schülerin ist in meinen Augen gleich, kulturelle Unterschiede bemerke ich gar nicht mehr. Dabei ist es gerade so lebendig, was ich jeden Tag erlebe! In meiner ersten eigenen Klasse habe ich über 10 verschiedene Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen europäischen und außereuropäischen Herkunftsländern. Ich finde diese Zusammensetzungen so spannend und lehrreich, dass nicht nur ich in die Schule gehe um zu lehren, sondern auch ich mit jedem Tag neue traditionelle Hintergründe kennenlerne.
Vielfalt statt Einfalt...
Nun habe ich Ferien und die Schule lässt mich doch nicht los. Es ist nicht nur eine Arbeit, die verrichtet wird, es ist viel mehr, viel persönlicher und ich denke auch eine Menge Herzblut, das man dort hinein steckt. Die Arbeit mit Menschen, zu sehen, welche Entwicklungen von statten gehen, ist so spannend und verantwortungsvoll, dass es viel Kraft kostet, aber auch sehr viel Kraft gibt.
Nun habe ich Ferien und davon über 4 Wochen. Leider muss ich diese Zeit alleine verbringen, da Kathrin eine Kur bekommen hat. Dieser Umstand ist natürlich wunderbar für sie. Es gibt so viele Menschen, denen es wirklich gesundheitlich nicht gut geht und gern eine Kur möchten bzw. nötig haben. Auch Kathrin hat sich in meinen Augen diese Kur wirklich verdient!
Für Lehrer besteht kurtechnisch leider der Nachteil, dass diese zum Großteil bzw. hauptsächlich nur in den Ferien genommen werden bzw. genehmigt werden. So warte ich also sehnsüchtig auf den Tag, wenn Kathrin wieder aus der Kur zurück kommt und wir noch ein paar Ferientage zusammen verbringen können. Zu schnell hat der Alltag uns wieder erfasst und es bleibt neben der Schule nicht wirklich viel Zeit, "erinnerungsbildende Zeit" (so Kathrins Worte) miteinander zu verbringen. Gerade diese Zeit ist für uns sehr wichtig, reißt sie uns doch raus aus dem "Alltag" heraus und gibt uns neue Energien!
Ich freue mich sehr auf die nächsten freien Wochen, zwar werde ich hin und wieder etwas für das kommende Schuljahr machen - umso weniger Stress habe ich dann im Schuljahr selbst -, aber am meisten freue ich mich, wenn Kathrin wieder an meiner Seite ist...